Fachgruppenausflug 2009 nach Linz

Nach München 2003, Graz 2005 und Bern 2007 führte uns unser heuriger Fachgruppenausflug nach Linz, der europäischen Kulturhauptstadt 2009. Das Image der reinen Industriemetropole ist Linz bereits in den Achtziger- und Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts losgeworden und es hatte besonders auch für uns sehbehinderte und blinde Menschen einiges zu bieten. Linz wurde heuer zur „Hörstadt“ und das schlug sich in unserem Reiseprogramm auch deutlich nieder.

Am Sonntag, dem 13. September 2009, reisten die Teilnehmer samt Begleitpersonen aus verschiedenen Bundesländern und dem Ausland an. Untergebracht waren wir im Hotel Haselgraben in der Leonfelderstraße, wohin wir mit der Autobuslinie 38 gelangten. Es liegt am Stadtrand, umgeben von bewaldeten Bergen und hat komfortable Zimmer. Nach Ankunft und kurzer Pause in den Zimmern speisten wir in dem Chinarestaurant nebenan. Dort lernten wir auch unseren Begleiter und Zivildiener Alois Huch kennen. Wir waren insgesamt 13, später 16 Personen, die sich im Laufe des Abends kennen lernten und sich gut unterhielten.

Das Frühstücksbuffet war ausreichend, jedoch reine Selbstbedienung, was für blinde und hochgradig sehbehinderte Menschen ohne sehende Hilfe stets ein Problem darstellt.
Weil es bereits seit einigen Stunden regnete, marschierte unsere Gruppe relativ zügig zum „Akustikon“ – einer Welt des Hörens, sprich einem Museum der Akustik, das sich nahe des Hauptplatzes befindet. Ein akustisches Highlight waren viele Schubladen, aus denen witzige und interessante Töne zu hören waren, öffnete man sie. Fasziniert hat uns auch ein schallisolierter Raum, wie er in manchen Ländern als Folterkammer eingesetzt wird. Absolute Stille halten die wenigsten Leute länger aus. Drei Rohre boten verschiedene Klänge, sprach man hinein. Der Vormittag verging auch durch die interessante Führung von Elisa Andessner sehr schnell.

Frau Hutterer mit einigen von uns

Nach dem Mittagessen empfing uns Frau Mag. Sonja Thauerböck, die uns eine blindengerechte und ausführliche Stadtführung bot. Alle waren sehr erleichtert, dass es zu regnen aufgehört hatte.
Vom Hauptplatz gings zur Dreifaltigkeitskirche und weiter zum Maria Empfängnisdom, der 134 Meter hoch ist. Besonders bemerkenswert fand ich die bunten Gemäldefenster und das Grabdenkmal für Bischof Rudiger. Auch der Besuch in der Dombauhütte war äußerst interessant. Wir konnten Steinmetzen bei ihrer Arbeit zusehen und diese auch angreifen. Die Erklärungen waren ausführlich, sodass auch wir uns unter der Domrestauration etwas vorstellen konnten. Schautafeln, sowie Demonstrationsobjekte rundeten das Erlebnis ab.
Weitere Stationen waren das Lentos Kunstmuseum, die Donaulände mit Skulpturenpark, die Altstadt, das Landhaus und das Schloss. Dazwischen kehrten wir in der Konditorei Jindrak ein, dem Haus der Original Linzer Torte.Zwischendurch hörten wir die Klänge des Glockenspiels und um 18 Uhr die Turmmusik der Stadtpfarrkirche.
Zu Abend speisten wir im Restaurant Cubus, das sich im Ars Electronica Center befindet. Die lichtdurchflutete und transparente Architektur bietet einen herrlichen Ausblick auf die Donau und über die Stadt, was mir besonders gut gefiel.

Am Dienstag fuhren wir zum BBRZ Riss, in dem uns Frau Mag. Christina Skelo über die berufliche Rehabilitation sehbehinderter und blinder Menschen informierte. Das Projekt wird von Kostenträgern unterstützt, dafür müssen die Auszubildenden in einer gewissen Zeit den Lernstoff samt Abschlussprüfung absolvieren. Wie alle anderen Arbeitssuchenden haben auch sie große Schwierigkeiten, wieder in den beruflichen Alltag einzusteigen, sofern sie nicht in ihrem bisherigen Beruf umgeschult werden und ihn danach weiter ausüben können. Bei einem anschließenden Besuch einer Klasse konnten wir in den Alltag der „Schüler“ schnuppern.

Wir sitzen um den Tisch

Das Mittagessen wurde uns in der Makartstuben des Oberösterreichischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes serviert.

Bei herrlichem Spätsommerwetter fuhren wir anschließend vom Hauptplatz mit der Pöstlingbergbahn auf den Pöstlingberg, der auch Linzer Hausberg genannt wird. Dort besichtigten wir die barocke Wallfahrtskirche, die laut Legenden aufgrund von Wunderheilungen erbaut wurde.

Während einige sich im nahe gelegenen Restaurant niederließen, fuhren die anderen mit der Grottenbahn. Kleine, aber auch vor allem große Besucher erfreuen sich an der bunt beleuchteten Märchenwelt der Zwerge. Mich faszinierten die vielen Lichteffekte. Sehr beeindruckend ist die maßgetreue Abbildung des Linzer Hauptplatzes um das Jahr 1900. Er ist mit weihnachtlichen Lichterketten, Sternen und Laternen wunderschön beleuchtet und in den Seitengassen erfreuten uns die Szenen bekannter Kindermärchen.
Auch wir stärkten uns danach mit Kaffee und Kuchen, bevor wir die Heimreise antraten und uns in alle Richtungen zerstreuten.

Für mich Sehbehinderte war dieser Ausflug ein Seh- und Hörerlebnis der besonderen Art. Vor allem die Farbenspiele des Cubus und der Grottenbahn, sowie der schön erleuchtete gebaute Linzer Hauptplatz haben es mir angetan. Farb- und Lichteffekte gefielen mir schon von jeher.
Der fast schalltote Raum im Akustikon erschreckte mich eher, während er blinde Menschen beruhigte und sie sich darin sehr wohl fühlten.
Die verschieden klingenden Rohre haben sich ebenso interessant angehört wie Klänge aus verschiedenen Richtungen.

Ich freue mich direkt schon wieder auf den nächsten Fachgruppenausflug und bin schon gespannt, was uns erwartet.


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Letztes Update 21. September 2009
© by Burgi Bänder