Einsteigerseminar
1. Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung
a) Körperwahrnehmung – Körpersprache
I Körper als Haus des Lebens – eigene innere Bilder zum Körper und dem der anderen
Im ersten Durchgang gingen wir mit geschlossenen Augen
durch den Raum und begrüßten uns beim Antippen mit einem „Hallo“.
Es ging um „das sich wahrnehmen und annehmen können“, um Konfrontation mit Anderen und um wahrnehmen des Gegenübers. Wir sollten uns selbst und den Raum bewusst wahrnehmen.
Danach kam eine Übung, bei der wir - ebenfalls mit geschlossenen Augen - unseren eigenen Raum wahrnehmen sollten: Wir streckten unsere Arme aus und drehten uns um uns selbst. Dies, so sagte die Trainerin, ist UNSER Raum, in welchem wir nur diejenige Person lassen, die wir mögen - also unser privater, intimer Bereich.
Der zweite Durchgang baute auf dieser Erfahrung auf. Wieder gingen wir mit geschlossenen Augen durch den Raum und versuchten einander, bevor wir zusammenstießen, wahrzunehmen und „halt“ zu sagen, dann auszuweichen. Es ging darum, seinen eigenen Raum wahrzunehmen und ihn zu schützen. Jeder sollte diesen persönlichen Raum akzeptieren und versuchen, auszuweichen, was auch wunderbar gelang.
II Mimik, Gestik, Körperausdruck
Wir bekamen fünf verschiedene Gesichter, die von der
Seminarleiterin aus Ton angefertigt wurden. Wir sollten mit geschlossenen Augen
erkennen, was die Gesichter ausdrücken:
Waren sie lachend-witzig, neutral oder staunend, ernst oder
fragend, ängstlich oder weinend etc.
Wir konzentrierten uns vorerst mit den Händen zu sehr auf den Mundbereich ,was zu verschiedenen Interpretationen führte. Wichtig war, den Gesamtausdruck des Gesichtes zu ertasten, also auch Stirnpartie und
Augenbrauen. Es gab den Einwurf, dass blinde oder sehbehinderte Personen den Gesichtsausdruck nicht wahrnehmen könnten. Dies wurde von der Trainerin hörbar widerlegt, denn sie zeigte uns, dass ein Gesichtsausdruck im Tonfall hörbar ist, indem sie dieselbe Aussage mit unterschiedlicher Mimik aussprach. So stellten wir fest, dass Mimik auch hörbar ist, denn der Gesichtsausdruck beeinflusst auch den Tonfall.
Die nächste Übung war, unterschiedliche Gesten zu interpretieren:
Unterstreichen wir bewusst unser Sprechen mit den Händen?
Was bedeuten verschiedene Handbewegungen?
Ist z. B. das Verschränken der Arme eine Abgrenzung oder der Ausdruck der Gemütlichkeit?
Deuten geöffnete Hände auf einen Erklärungsbedarf hin?
Bedeuten geschlossene Hände wirklich Ärger?
Hier waren wir aufgefordert, unsere Interpretationen zu den einzelnen Gesten zu beschreiben. Schließlich waren unsere Interpretationen sehr ähnlich, Allerdings erkannten wir auch, dass es auf Erfahrung, Erziehung und Kultur ankommt, wie unterschiedlich die Interpretationen ausfallen.
b) Stimmwahrnehmung
I eigene Stimme wahrnehmen
II Stimme in
der Gruppe wahrnehmen
Wir übten das bewusste Atmen:
Einatmen: Leicht in die Knie gehend atmen wir mehr in den Bauchraum, mit durchgestreckten Knien mehr oberflächlich. Das Einatmen bedeutet Loslassen und ist keine aktive Bewegung.
Mit dem bewussten Einatmem schaffen wir uns Raum.
Ausatmen: Pobacken oder Oberschenkel anspannen, damit der ganze Atem aus dem Körper kann, um die Stimme nicht gepresst klingen zu lassen.
Stimme zum klingen bringen bedeutet, den Körper zum Schwingen zu bringen. Wir standen im Kreis und begannen alle gemeinsam zu summen. Das war ein sehr eindrucksvolles Erlebnis, das Resonanzschwingen im Körper wahrzunehmen.
Welche Erfahrungen machten wir mit unserer Stimme?
Wie wurde sie von anderen beschrieben?
Wie empfinden wir unsere Stimme, gibt es positive oder negative Kritik und wie kommen wir damit zurecht?
Durchwegs war jeder/jede Teilnehmende mit seiner/ihrer eigenen Stimme zufrieden, hätte aber gerne kleinere Veränderungen wie z. B.: Eine zartere Stimme, weniger energisch, keinen Sprachfehler, nicht so heiser, deutlicher, nicht so streng, nicht so tief etc.
III Stimmvibrationen, Summen in der Gruppe, Stimme weitergeben, Stimmbilder, Stimmvolumen.
Ein(e) Teilnehmer(in) erzeugte einen Laut und gab ihn an den/die nächste(n) weiter, der/die auf diesen Laut aufbaute. Es kamen interessante und auch lustige Lautfolgen zustande, die mitunter harmonisch und musikalisch wirkten.
Wir gingen zu zweit zusammen und erzählten einander kurz eine Geschichte in drei Sätzen. Das erste Mal sollten wir nach jedem 3. Wort Luft holen, das zweite Mal nach jedem 2. Satz. Der Unterschied der Wirkung war groß. Wirkte das erste Mal eher hektisch, war die zweite Variante zum einschlafen. Wir lernten daraus, dass das richtige Atmen auch für die Verständlichkeit des Gesagten wichtig ist.
Zum Abschluss des ersten Seminartages erzählten wir einander in kleinen Gruppen Geschichten oder Märchen und sollten uns dazu bewusst Bilder im Kopf vorstellen. Es war wichtig, das Gesprochene so zu äußern, dass sich der Andere lebhaft vorstellen konnte, worum es ging. Deutliches Sprechen und ausführliches Erzählen erwiesen sich als sehr geeignet, um Aufmerksamkeit beim Zuhörer zu erzeugen. In dieser Übung sollten wir das an diesem Tag Gelernte, "Körpersprache und Stimme", möglichst pointiert einzusetzen.
2. Rhetorik
a)
Kommunikation als Vermittlerin von Bedürfnissen, Ideen und
Vorstellungen
Wir bekamen eine Liste mit verschiedenen Begriffen
wie z. B.: Bettler, Millionär, Arbeitgeber, Chef, Köchin etc.
Dabei sollten wir unser Gefühl beobachten. Was empfinden wir, wenn wir diese Begriffe lesen?
Spontan wurden Assoziationen eingebracht, die sich zwischen absolut negativen und sehr positiven Erfahrungswerten bewegten.
Aufgabe war, zu beobachten, was der jeweils andere während der Erzählung für Gefühle entwickelte. Wir stellten unterschiedliche Reaktionen fest, was uns beeindruckte.
b) Feedbackregeln
c)
„Nein“ sagen: Wahren der eigenen Grenzen und die der anderen.
d) Kommunikation und Diskussion
e) Konfliktbewältigung
Bei der Feedbackregel ist es wichtig, dem Gegenüber zuzuhören ohne sich einzumischen und ohne die Situation zu analysieren. Feedback bedeutet, nach Beendigung der Erzählung dem anderen mitzuteilen, wie man das Erzählte empfunden bzw. wahrgenommen hat und was für eine Wirkung es auf einen ausübt. Also den subjektiven Eindruck wieder geben und nicht die eigene Meinung. Wie habe ich die Erzählung wahrgenommen, welche Wirkung hat sie auf mich gehabt, gab es einen Erfahrungswert?
Es gibt vier verschiedene „innere Ohren" Modell nach Schulz von Thun"
Das Sachohr:
Dieses bezieht sich rein auf das, was gesagt wird,
ohne zu interpretieren und zu werten.
Das Beziehungsohr:
In welcher Beziehung stehe ich zu der Person, die
etwas sagt, wie höre ich das aufgrund dessen?
Das Selbstoffenbarungsohr:
Dieses bezieht sich rein auf die Person, die etwas
sagt - eine Botschaft sendet. Ich – die/der Empfänger/in der Botschaft - interpretiert die unausgesprochenen Bedürfnisse der Person, die die Botschaft sendet.
Das Appellohr:
Hier höre ich in der Botschaft, im Gesagten, dass ich handeln soll, auch wenn es nicht direkt angesprochen wird. Ich bin in der Erfüllung und der Aktion, etwas auszuführen nach dem Motto: „Tu was, hol was“.
Dazu bekamen wir verschiedene Fragen gestellt und hatten vier verschiedene Antwortmöglichkeiten. Viele Menschen hören mit dem „Appellohr“, nur wenige hören mit dem „Sachohr“. Mit dem „Sachohr“ zu hören kann viele Kommunikationssituationen entspannen und Missverständnisse und so auch Konflikte vermeiden.
Regeln zur Konfliktvermeidung sind:
„Ja“ sagen, wenn ich wirklich zu einer Bitte „Ja“ sagen kann/will und „Nein“, wenn ich nicht mit diesem Wunsch oder der Bitte einverstanden bin oder diese/n erfüllen möchte. „Wer fragt gewinnt“. Nachfragen ist zur Konfliktvermeidung ganz wichtig, um eine Situation zu klären (siehe oben „vier Ohren“). Botschaften sollten genau angesprochen und möglichst konkret und vor allem in der „Ich-Formulierung“ ausgesprochen werden. Eine geläufige Unart in unserer Kommunikation stellt das häufig gebrauchte Wörtchen „man“ dar: z. B.: Man könnte, man sollte, man möchte sich auf dem Wörtchen „man“ ausruhen und sich damit - auch aus Schutz - hinter einer allgemeinen Botschaft verbarrikadieren. „Ich-Botschaften“ machen eine Person transparent und zeigen ihre Erfahrungswerte, ihre Einstellungen und Bedürfnisse. Weitere Wörter, die zu unklaren Botschaften beitragen, sind die bei uns so beliebten Konjunktivformen: „würde“, „hätte“, „wäre“ usw.. Hinter diesen Botschaften steckt meistens eine persönliche Einstellung bzw. Bitte, die nicht offen angesprochen wird.
Die Seminarleiterin vergab einen Würfel aus Schaumstoff an denjenigen Teilnehmer, der an der Reihe war, seine Meinung der Gruppe mitzuteilen. Dadurch wurde vermieden, dass Leute gleichzeitig sprechen oder sich in einen Monolog verzetteln. Der/die Teilnehmer(in), der/die etwas sagen wollte, bekam den „Redewürfel“ in die Hand, fasste sich automatisch kürzer und war auch geneigt, den Würfel weiter zu geben.
Da die Menschen nach dem Mittagessen zu Müdigkeit neigen, erwiesen sich die Tricks von Frau Schatzl als wahre Muntermacher.
Am ersten Seminartag:
Pantomimisches Spiel: „Die Maschine“: Wir standen der Reihe nach auf und imitieren Geräusche, unterstützt durch Gestik und lauter Stimme. Wir sollten möglichst an die Bewegung der/des vorherigen Teilnehmers(in) anschließen, um so einen maschinellen Produktionsablauf pantomimisch darzustellen. So ungewohnt diese Aktion war, belebte sie unsere Sinne, um aktiv in den Nachmittag zu gehen.
Am zweiten Seminartag:
Wir sollten mit einer Modelliermasse einen Gegenstand formen, mit dem wir Inhalte und Erfahrungen aus dem Seminar in Verbindung setzen, wobei beeindruckende Formen zustande kamen.
Ein Gesicht, das Mimik widerspiegeln sollte, ein Bumerang als Symbol, wie wir in den Wald hineinrufen, so kommt es zurück, Schalen, in die wir symbolisch die Seminarinhalte hinein geben können, um sie bei Bedarf heraus zu holen und einen Mund und ein Ohr als Zeichen für Kommunikation, die aus Reden und Zuhören besteht.
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Bei der Abschlussrunde stellte sich heraus, dass uns das Seminar sehr beeindruckt hatte. Jede/r Teilnehmer/in sprach sich für einen Fortsetzungskurs aus, den es hoffentlich demnächst geben wird.
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Letztes Update 24. September 2006
© by Gabriele Schatzl und Burgi Bänder