Fortgeschrittenenseminar
1. Körperbewusstsein, Selbstbewusstsein
Unser Körper gehört der eigenen Intimsphäre an, über die nur wir selbst bestimmen.
Bei der ersten Übung gingen wir
mit verbundenen Augen und ohne den Hörsinn mittels Ohropax durch den Raum. Die
Aufgabe lag darin, ob es uns möglich war, erstens uns zu orientieren, zweitens
die anderen Teilnehmer/innen wahrzunehmen und drittens ihnen auszuweichen.
Einigen wurde ein wenig schwindlig bzw. sie wurden
desorientiert. Für andere war diese neue Art der Raumwahrnehmung kein
Problem. Diese Erfahrung war für alle Teilnehmer/innen etwas Neues und darüber
wurde länger gesprochen.
2. Der „Ich- und der Du-Bereich“
Der Bereich, der das Ich repräsentiert, geht von den Füßen bis zum Solarplexus (die Magengegend knapp unter den Rippen). Der Du-Bereich reicht vom Solarplexus bis einschließlich zum Kopf. Das bedeutet, dass der Körperausdruck, der im Ich-Bereich passiert, unsere momentane persönliche Situation widerspiegelt und jener, der im Du-Bereich ausgedrückt wird, bildet die Kommunikationsebene mit der Außenwelt, anderen Menschen und Lebewesen.
Übungen, die wir zum „Ich und Du-Bereich“ durchführten
Wir machten
Körperübungen zu den unterschiedlichen Körperbereichen. Dadurch wurde uns die
Bedeutung der Körpersprache, wie zum Beispiel für unsere Füße, bewusst, die das
Thema Erdung und Verwurzelung widerspiegelt. Durch die unterschiedlichen
Körperübungen wurde uns die Wirkung unseres Körpers auf unsere Stimmung
bewusst. Zum Beispiel, wenn wir den Kopf aufrecht halten oder hängen lassen,
wirkt die Haltung direkt auf unser Gemüt. Oder wir ballten die Hände zu Fäusten
und verharrten so eine halbe Minute, ehe wir sie wieder locker hängen ließen.
Wichtig war, die Faust fest genug zu ballen, damit wir körperlich den
Unterschied zur lockeren Handhaltung merkten.
Manche von uns
machten eine derart kräftige Faust, dass sie fast einen Krampf in der Hand
bekamen, was für allgemeine Erheiterung sorgte.
Sowohl sehbehinderte, sehende als auch blinde Personen hatten unterschiedliche Probleme mit fließenden Bewegungen. Frau Schatzl erklärte ausführlich und übte geduldig mit den TeilnehmerInnen.
3. Gestik
Der Bereich der Gestik ist unser Oberkörper, unsere Schultern, Arme und Hände. Gesten unterstreichen unsere Aussagen in ihrer Bedeutung für uns im Zusammenhang mit dem Umfeld und in der Situation, in der wir uns befinden. Während die Mimik nur bis auf wenige Meter für sehende Personen auffällig ist, wirkt Gestik in einem großen Saal bis in die letzte Reihe. Gestik drückt unser Gesagtes symbolisch bzw. bildhaft aus.
Pantomimische Gestik
Wenn wir z.B. von
Blumen sprechen und so „tun“, als ob wir mit beiden Händen eine Blüte halten
und daran riechen, dann wird für die Zusehenden, aber auch für uns das Erzählte
lebendig und greifbar.
Redebegleitende Gestik
Jede
Aussage, die wir mit einer Geste ausdrücken, wird im Gespräch wichtiger als
Aussagen ohne Gesten. Deswegen liegt der Trick in der richtigen Untermalung der
Wörter mit pasender Gestik. Aus
diesem Grund müssen wir uns überlegen, was wir mit unserer Aussage erreichen
wollen:
Z.B. möchten wir bei unserem Chef bzw.
unserer Chefin eine Gehaltserhöhung erwirken. Wenn wir den Teil des Gesprächs
mit Gesten unterstreichen, der das Verständnis gegenüber der Sparwut der Firma
betrifft und unser eigentliches Ziel, nämlich für unsere gute Arbeit mehr Geld
zu erhalten, gestikulierend unter den Tisch fallen lassen, dann werden wir
nicht zu unserem Ziel kommen. Das heißt, wir müssen uns zuerst über das zu
Erreichende klar werden.
Das setzten wir
sogleich in einer Übung um:
Einer von uns war der Chef, ein anderer der
Angestellte. Wir stellten fest, dass wir als Angestellte zu verkrampft saßen.
Einige von uns pressten die Hände ineinander, hielten sich am Sessel fest oder
gaben die Füße nach hinten. Andere sprachen zu vorsichtig oder trauten sich
kaum den Mund aufzumachen.
Wir verwendeten vor
innerer Anspannung auch kaum Gestik und setzten auch unsere Sprachmelodie viel
zu wenig ein.
Frau Schatzl gab
uns als „Chefin“ ein paar Tipps, die uns sehr halfen, wie z.B.:
Wenn wir anmerken,
dass wir erfolgreich sind und deshalb mehr Gehalt wollen, sind bei der Mimik
leicht gehobene Augenbrauen, weiter geöffnete Augen und die Mundwinkel gerade.
Bei der Gestik bewegt sich die rechte offene Hand in Richtung des Brustkorbes
und zeigt wieder nach rechts. Jeder drückt sich natürlich individuell aus.
Wichtig war, beide Füße auf den Boden zu stellen, mit fester Stimme zu
sprechen, mit den Händen dazugehörende Bewegungen zu machen, in klaren und
verständlichen Sätzen zu sprechen und Wörter wie „könnte“, „hätte“, „würde“
etc. zu vermeiden.
4. Stimmwahrnehmung
Der Ton macht die Musik: tonale Kommunikation
Das Gesagte kann mit
einer eintönigen Stimme gebracht werden, oder wir können unsere Stimme je nach
Inhalt und Wichtigkeit variieren. Wir nutzen unser Stimmpotenzial nur zu 30 %
und weniger. Das heißt, wir verlernen mit der Zeit, all unsere Stimmvariationen
zu leben und einzusetzen. Wir verlassen uns mehr auf den Inhalt der Sprache als
auf die Betonung durch unsere Stimme.
Bei der anschließenden Übung erzählten wir eine kurze Episode, die wir erlebt hatten, ausschließlich mit unserer Stimme (summend) und ohne zu reden. Es kam vor allem auf die vermittelte Stimmung und nicht auf den logischen Inhalt an.
Bei der nächsten Übung veranstalteten wir als Gruppe ein LöwInnengebrüll. Dieses sollte das ganze Potenzial der Stimme herausfordern.
Stimme fördern
statt fordern
Wie bereits im
ersten Kurs besprochen ist es möglich, der eigenen Stimme durch den falschen
Stimmeinsatz zu schaden. Unsere Stimme ist ebenfalls ein Ausdruck unserer
Befindlichkeit und hängt auch mit unserem Körperbewusstsein und –einsatz
zusammen. Wenn wir unsere Stimme ausschließlich im Hals und im Kehlkopf zur
Schwingung bringen, dann belasten wir diesen Bereich so sehr, dass wir bald zu
Heiserkeit neigen werden. Der Kehlkopf besitzt zwar die Stimmbänder, diese sind
jedoch nur für die Stimmvariation da und nicht für die gesamte Wirkung unserer
Stimme.
Wir machten einige Atemübungen, wobei wir genau auf die unterschiedliche Art und Weise der Ein- und Ausatmung und den richtigen Einsatz der Stimme achteten. Diese Übungen fördern das Stimmgleichgewicht und schonen die Stimmbänder.
5. Auftreten
Das „Ich bin ich“ in der Kommunikation
Wir sind alle einzigartig, dass ist es, was uns Menschen
ausmacht. Nur jede/r für sich kann wissen, was ihm/ihr gut tut und was nicht.
Wenn wir eins sind, mit unserem Körper, dann sind wir auch eins mit der Art und
Weise, wie wir kommunizieren. Machen Sie sich über Ihre Einzigartigkeit in der
Kommunikation bewusst!
Dazu bekamen wir Fragen zu Dingen, die wir an uns und an
anderen mögen und nicht mögen.
Hier kamen die unterschiedlichsten Aussagen:
a) schätzten einige das Aussehen, andere die Körperhaltung
b) schätzten einige die Stimme, andere die Sprachmelodie
etc.
Durch diese Übung erkannten wir, wie sehr uns unsere Art und
Weise zu kommunizieren wirklich bewusst ist.
Multikulti in der Kommunikation:
Wie bereits im
vorigen Kapitel beschrieben, besitzt jede(r) von uns eine einzigartige Weise zu
kommunizieren. Das betrifft sowohl die Körpersprache als auch die gesprochene
Sprache. Insofern dürfen wir davon ausgehen, dass das, was für uns selbst
verständlich ist, es für andere nicht ist. Dadurch können auch
Kommunikationsprobleme entstehen, die wir nicht vorhersehen können. Dazu hörten
wir wichtige Gesprächsgrundsätze und mögliche Problemkonstellationen nach
Konrad Lorenz, die uns die Entstehung möglicher Missverständnisse und deren Vermeidung
bewusst machten.
6. Rhetorik
Weniger interpretieren, mehr fragen:
Wenn wir über eine
Situation unklar sind oder einen Arbeitsauftrag von unserer/unserem
Vorgesetzten nicht ganz verstehen, ist es besser nachzufragen bzw. ein
klärendes Gespräch zu suchen.
Wir bildeten Zweiergruppen und suchten uns verschiedene Themengebiete als Aufgabe, z.B.: Auseinandersetzung mit einer Kollegin, die besprochene Bänder immer an einen andern Platz legt als ausgemacht. Wir mussten sowohl auf den richtigen – sprich wirkungsvollen - Einsatz der Körpersprache, unserer Stimme und unserer Aussage achten. Zu sehen war, dass die Konzentration der Kollegin auf das Gesagte – also auf die Botschaft – stieg, wenn die Körperhaltung die gleiche Ebene (in diesem Fall stehend) eingenommen wurde, die Stimme ruhig und eher tiefer als zu hoch war und das Gesagte klar, langsam und deutlich formuliert wurde.
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Insgesamt war das
Wochenende sehr intensiv, wir hatten eine Menge gelernt und neue Eindrücke
gewonnen.
Sollte es ein
weiteres Seminar mit Frau Schatzl geben, sind wir sicher wieder dabei, darüber
waren sich alle Beteiligten einig.
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Letztes Update 29. März 2007
© by Gabriele Schatzl und Burgi Bänder